Fast drei Viertel aller Tierarten in Deutschland sind Insekten. Sie sind für unsere Ökosysteme unverzichtbar, unter anderem für die Bestäubung von Pflanzen, für Nährstoffkreisläufe, den Abbau organischer Masse, die biologische Schädlingskontrolle, die Gewässerreinigung und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit.Der Schutz von Insekten ist spätestens seit dem erfolgreichen Volksbegehren in Bayern in aller Munde. In NRW erwägen Naturschützer eine ähnliche Initiative. Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat nun den Entwurf eines "Aktionsprogramms Insektenschutz" vorgelegt, mit dem das Insektensterben gestoppt werden soll.

Wenn es selbst in Schutzgebieten heute über 70 Prozent weniger Insekten gibt als vor 30 Jahren, müssen alle Alarmglocken schrillen. Insekten sind für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen unverzichtbar. Von daher begrüße ich das Aktionsprogramm.

Der Entwurf des Programms, das im Frühsommer von der Bundesregierung beschlossen werden soll, sieht mehrere Maßnahmen vor, u. a. jährlich 100 Millionen Euro für die Forschungsförderung sowie ein eigenes Insektenschutzgesetz. Alle Bereiche der Gesellschaft werden in den Blick genommen. So soll etwa in den Städten auf insektenfreundlichere Lichtquellen umgestellt werden. Die Pflege städtischer Grünflächen und die Art der Waldbewirtschaftung sollen ebenfalls insektenverträglicher werden.

Da über die Hälfte der Fläche Deutschlands landwirtschaftlich genutzt wird und Insekten besonders unter dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie unter Monokulturen leiden, kommt laut Umweltministerium eine ganz entscheidende Rolle beim Insektenschutz der Landwirtschaft zu. Glyphosat soll spätestens 2023 von den Feldern verbannt und die Agrarförderung der EU umgestellt werden.

Ich sehe in der anstehenden Reform der EU-Agrarpolitik (GAP) eine große Chance. Statt Massenproduktion für den Weltmarkt auf immer größeren Flächen müssen die Leistungen der Landwirte für Natur- und Artenschutz viel stärker gefördert werden. Nötig sind zum Beispiel mehr Blühstreifen und Streuobstwiesen, die ideale Lebensräume für Insekten darstellten. Mit Interesse habe ich in diesem Zusammenhang eine Konzeptidee von Studierenden der Borkener Fachschule für Agrarwirtschaft zur Kenntnis genommen, die die Umwandlung von Feldrändern in Wiesen vorsehe.

Ich würde mich freuen, wenn auch das Bundeslandwirtschaftsministerium das Aktionsprogramm Insektenschutz unterstützt und sich darüber hinaus für eine ambitionierte Reform der EU-Agrarpolitik einsetzt.

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