Geflüchtete Menschen am NRW-Arbeitsmarkt
75.000 Menschen in Sprach- und Qualifizierungskursen
Ende Mai waren in Nordrhein-Westfalen 54.511 Menschen mit einem Fluchthintergrund arbeitslos gemeldet. Das waren 7,8 Prozent aller im Bundesland gemeldeten Arbeitslosen. Rund 75.000 Menschen mit einem Fluchthintergrund nehmen in NRW derzeit an Sprach- und berufsbildenden Maßnahmen teil. Schönefeld: Geflüchtete brauchen Chancen auf sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse.

"Wir haben in der Integration geflüchteter Menschen in den Arbeitsmarkt schon viel erreicht, es steht aber auch noch eine Menge Arbeit bevor", sagte Christinane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. "An erster Stelle steht der Erwerb der Sprache. Viele Geflüchtete haben bereits gute Fortschritte gemacht. Ohne ausreichende Sprachkenntnisse besteht kaum Hoffnung auf Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Wer diese Hürde bewältigt, hat aber auch das Zeug dazu, sich später weiter zu qualifizieren. "

In den 49 Integration Points in NRW werden derzeit 130.282 arbeitssuchende geflüchtete Menschen betreut. Darunter sind 54.511 Personen, die arbeitslos gemeldet sind. Weitere 75.511 Menschen gelten als arbeitssuchend, nicht arbeitslos: "Das sind die Menschen, die derzeit Sprach- und berufsbildende Maßnahmen besuchen", erklärte Schönefeld. "Knapp 25.000 Menschen nehmen aktuell an einer berufsbildenden Maßnahme der Bundesagentur für Arbeit (BA) teil, rund 38.000 Menschen besuchen einen Integrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flucht (BAMF). Weitere 9.000 Geflüchtete stehen jetzt in der zweiten Stufe des Spracherwerbs: Im Integrationskurs geht es um die allgemeinen Sprachkenntnisse, darauf folgt die berufsbezogene Sprachförderung, die die Menschen sprachlich in die Lage versetzt, erfolgreich auch in komplexe Berufsfelder einsteigen zu können. Unser Augenmerk liegt derzeit darauf, in enger Kooperation mit dem BAMF diese wichtige zweite Stufe weiter auszubauen", erklärte die Arbeitsmarktexpertin.

Schönefeld hob die Bereitschaft der Unternehmen in NRW hervor, geflüchteten Menschen Praktika zu geben: "Für die Integration in Arbeit sind diese praktischen Erfahrungen in der deutschen Arbeitswelt und mit der deutschen Arbeitskultur sehr wichtig." Worauf es aber auch ankomme, sei, dass geflüchtete Menschen über Praktika hinaus eine Chance und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erhalten: "Sollten nicht von Anfang an die hohen Erwartungen an eine Fachkraft erfüllt werden können - es gibt ein breites Angebot an berufsbegleitenden Weiterbildungsmöglichkeiten, also für Qualifizierung am Arbeitsplatz, die Unternehmen unbedingt nutzen sollten."
Mit Blick auf das durchschnittliche Bildungsniveau geflüchteter Menschen, sagte Schönefeld: "Wir müssen zwischen Potential und formalen Abschlüssen unterscheiden. Rund ein Fünftel hat das Abitur. Andererseits haben 40 Prozent der in NRW arbeitssuchend gemeldeten geflüchteten Menschen keinen Schulabschluss. Doch diese Menschen sind im Schnitt noch sehr jung. Ein Viertel, rund 32.000 Menschen, sind zwischen 15 und 25 Jahren alt. Viele hatten in ihren Ländern gar nicht die Gelegenheit, einen Schulabschluss zu machen. Wenn sie diesen hier nachholen können, haben sie gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt".

Überwiegend männlich und jung
Im Mai waren 54.511 Menschen mit Fluchthintergrund in NRW arbeitslos gemeldet. Damit hatten 7,8 Prozent der landesweit 702.375 Arbeitslosen einen Fluchthintergrund. Weitere 75.711 Menschen galten nicht als arbeitslos, aber arbeitssuchend. Geflüchtete Menschen in NRW sind überwiegend männlich und jung. 37.051 Personen oder 68,0 Prozent der im Mai arbeitslos gemeldeten geflüchteten Menschen war männlich. Über die Hälfte oder 31.135 Personen (57,2 Prozent) hatte noch nicht das 35. Lebensjahr vollendet. Bei allen Arbeitssuchenden waren es 80.701 Menschen. Unter 25 Jahren waren 10.718 Personen oder 19,7 Prozent der arbeitslos gemeldeten Geflüchteten; von allen Arbeitssuchenden waren 31.740 Personen oder 24,4 Prozent unter 25 Jahren. Lediglich 5,8 Prozent der Arbeitslosen waren über 55 Jahre alt.

Mehr geflüchtete Menschen bewerben sich um einen Ausbildungsplatz
Geflüchtete Menschen spielen am Ausbildungsmarkt eine größere Rolle als im vergangenen Jahr. In den vergangenen zehn Monaten konnten 2.774 junge Geflüchtete bereits eine duale Ausbildung aufnehmen. Im aktuellen Vermittlungsjahr wurden bisher 4.119 junge Menschen als ausbildungsreif eingestuft. 3,7 Prozent aller Bewerber auf eine Lehrstelle in NRW (111.347 Personen) hatten somit einen Hintergrund aus der Fluchtmigration. Weitere 2.272 Menschen bereiteten sich im Mai in einem ausbildungsfördernden Programm auf eine Bewerbung am Ausbildungsmarkt vor.

1.343 Bewerber mit Fluchthintergrund oder 32,6 Prozent waren im Mai schon versorgt. Im Vergleich waren geflüchtete Menschen am Ausbildungsmarkt in geringerem Maße erfolgreich als andere Bewerber, von denen im Mai bereits 49,1 Prozent als versorgt galten. Den größten Anteil versorgter Bewerber mit einem Fluchthintergrund hat mit 40,5 Prozent Südwestfalen, den geringsten mit 30,6 Prozent das Rheinland. Bewerber aus der Fluchtmigration sind im Durchschnitt älter als andere Bewerber auf Lehrstellen 1.062 oder 25,8 Prozent waren sogar über 25 Jahre alt. Bei allen Bewerbern zusammen liegt dieser Anteil bei nur 5,4 Prozent.

Ein Viertel verfügt über Abitur oder Fachhochschulreife
25,7 Prozent oder 33.415 Personen und damit ein Viertel der geflüchteten Menschen verfügten über die Fachhochschulreife oder Abitur. 48.722 Menschen besaßen keinen Schulabschluss, 11.642 hatten einen Hauptschulabschluss. Bei fast einem Viertel der arbeitssuchend gemeldeten geflüchteten Menschen, bei 30.569 Personen oder 23,5 Prozent, war im Mai der Abschluss noch nicht geklärt.

Abgänge in Erwerbstätigkeit nehmen zu
Nach einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) werden im ersten Jahr nach ihrer Flucht maximal zehn Prozent der geflüchteten Menschen eine Erwerbstätigkeit aufnehmen. Nach fünf Jahren kann mit einem Erwerbstätigen-Anteil von 50 Prozent gerechnet werden. Nach zehn Jahren ist mit 60 Prozent zu rechnen, nach 15 Jahren werden geflüchtete Menschen mit 70 Prozent eine den Inländern vergleichbare Erwerbsbeteiligung erreicht haben. Die Prognose des IAB beruht auf Erfahrungen, die mit früheren größeren Fluchtmigrationen nach Deutschland gemacht wurden.

In den vergangenen zehn Monaten konnten sich in NRW 13.294 geflüchteten Menschen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt integrieren. 10.520 geflüchtete Menschen fanden eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt, 2.774 Menschen nahmen eine Ausbildung auf. Dabei ist die Tendenz steigend. Waren es im Juni 2016 noch 692 Menschen, die eine Arbeit aufnahmen, fanden im Mai 2017 bereits 1.310 geflüchtete Menschen eine Anstellung. 35.807 Personen oder 65,7 Prozent der arbeitslos gemeldeten geflüchteten Menschen in NRW strebt eine Arbeit auf dem Anforderungsniveau des Helfers an.

Der Arbeitsmarkt für Geflüchtete nach Regionen
Der Anteil Geflüchteter an der Gesamtzahl der Arbeitslosen war im Münsterland im Mai am größten. Dort bedeuteten 4.826 arbeitslose Geflüchtete 12,2 Prozent aller Arbeitslosen. Am geringsten war der Anteil der Geflüchteten an allen Arbeitslosen mit 6,9 Prozent im Rheinland. In absoluten Zahlen zeigte sich eine andere Situation: Die meisten geflüchteten Menschen waren mit 18.659 Personen im Ruhrgebiet arbeitslos gemeldet, auf Platz zwei folgte das Rheinland mit 15.063 Personen.

Weitere Informationen finden Sie im statistischen Informations-Heft für NRW "Flucht kompakt"

Weitere Hintergrundinformationen zu Migration und Arbeitsmarkt lesen Sie hier

 

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