Wohnungssuche, Studienvoraussetzungen, aber auch die sehr zeitintensiven Verfahren bei der Ausländerbehörde des Kreises Borken oder ein Führerschein, für den in Deutschland eine erneute Fahrprüfung erforderlich sein soll - breit gefächert war das Themenspektrum, über das die 19 Teilnehmer/innen des B2-Sprachkurses, den die Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) im Auftrag der Arbeitsagentur durchführt, am Donnerstagvormittag mit mir ins Gespräch kamen. Doch schließlich war auch genau dieses Anliegen, das ich mit meinem Besuch in Ahaus verband: Zu hören, wo der Schuh drückt. Nachdem ich in den letzten drei Jahren zahlreiche Flüchtlingsunterkünfte besucht habe, möchte ich nun sehen, wie es den Menschen in den vergangenen Monaten ergangen ist, welche Fortschritte sie vor allem beim Spracherwerb sowie bei der Wohnungs- und Arbeitssuche gemacht haben.

Nun, die 14 Männer und fünf Frauen unterschiedlichster Nationalitäten, die aktuell den B2-Sprachkurs in der BBS-Zweigstelle im "Haus der Landwirtschaft" besuchen, bereiten sich allesamt auf eine Ausbildung oder ein Studium vor, erklärten sie. Mit Hilfe der pensionierten Lehrerin Dagmar Perlitz aus Vreden, die die Qualifizierungsmaßnahme leitet, wollen sie vor allem ihre berufsbezogenen Kenntnisse vertiefen. "Die Teilnehmer hier sind sehr motiviert und auch sozial sehr gut eingestellt", lobte Perlitz ihre Schüler/innen. Doch so sehr diese sich auch engagieren, mitunter sind es häufig private Probleme, die sich ihnen immer wieder als Hindernis in den Weg stellen. So wurde ein iranischer Kursteilnehmer, der vor 14 Jahren seinen Führerschein in seinem Heimatland erworben hat, nun aufgefordert, diesen erneut abzulegen. Seine Fahrerlaubnis sei seit drei Jahren abgelaufen. Für das Fahren auf deutschen Straßen sei daher eine weitere Prüfung mit entsprechenden Praxisstunden fällig. "Wovon soll ich das bezahlen? Warum darf ich hier nicht fahren, wenn ich mir auf iranischen Straßen nie etwas habe zu Schulden kommen lassen?", wollte er beispielsweise von mir wissen. Ein anderer fragte nach, "warum die Ausländerbehörde im Kreis Borken sich so lange Zeit lässt, bevor sie auf Anliegen reagiert." In seinem Fall war das der Antrag auf einen Reisepass. "Ich habe meine Mutter seit drei Jahren nicht gesehen. Mein Vater ist schon lange verstorben", erzählte der Syrer. Seine einzige Chance: Ein Treffen mit der Mutter in einem anderen Land, beispielsweise der Türkei. "Dazu benötige ich aber Dokumente, die ich beantragt habe. Seit Januar allerdings hat sich die Ausländerbehörde dazu nicht mehr geäußert." Hier warb ich um Verständnis, es sind seit 2015 viele Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Da haben die Behörden auch eine Menge Arbeit auf ihren Schreibtischen liegen. Ich werde aber gerne bei einem Gespräch mit Vertretern des Amtes speziell hierzu noch einmal nachfragen.

Gleiches sicherte ich auch einer Spätaussiedlerin aus Russland zu: "Mein Mann hat deutsche Papiere, ich ebenso. Unser Kind ist in Russland zur Welt gekommen, hat nun die russische Staatsangehörigkeit. Wieso ist das so?", wollte die Frau von mir wissen.

BBS-Bereichsleiterin Claudia Klinker, zuständig für die Förderung beruflicher Weiterbildung, in deren Zuständigkeit auch die Durchführung des B2-Kurses fällt, versprach, all diese Einzelanliegen noch einmal zu sammeln und dann schriftlich an mich weiter zu reichen. Ich werde mich zu jedem dieser Punkte kundig machen. Denn das genau will ich ja mit meinen Besuchen vor Ort verbinden: Erkennen, wo es noch Probleme gibt und da unterstützen, eine Lösung herbei zu führen.

Zeit für mehr Gerechtigkeit.

Ursula Schulte vor Ort

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